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ann-kathrin pheline binzdanny schwohl

Die ursprüngliche Idee der Arbeit von Anne-Kathrin Pheline Binz und Danny Schwohl war, verschiedenen, zufällig begegneten Personen Fragen zu dem Thema Siemensstadt zu stellen. Das Audiomaterial sollte tonal und rhythmisch in einen neuen Zusammenhang gesetzt werden. Durch das Zerschneiden der Interviews in einzelne Abschnitte sollte ein neuer inhaltlicher Zusammenhang hergestellt werden.
Im Arbeitsprozess wurde festgestellt, dass die Idee aufgrund von dominanten Umgebungs- und Störgeräusche nicht gänzlich umsetzbar wurde. Es entstand trotzdem eine Abbildung von Interviewmitschnitten zufällig angesprochener Personen in einer Komposition, die deren teilweise gegensätzlichen Standpunkte in einen neuen Zusammenhang brachte.

EINLEITUNG/ ZUSAMMENFASSUNG DES ERGEBNISSES
stadtstrukturen ist eine Momentaufnahme und Klangstudie in und um das Thema Siemensstadt. Die Audio-Kollage von Anne-Kathrin Pheline Binz und Danny Schwohl birgt Botschaften der Bewohner dieser Gegend im Berliner Nordwesten, sie ist komponiert mit Klängen des öffentlichen Verkehrs sowie der Verkehrsmittel und verwertet Klangmuster der öffentlichen Plätze in Siemensstadt. Es ist unerwartet zu einem Stück geworden, das Fragen aufwirft: Wie ist das Leben in Siemensstadt eigentlich? Ist Siemensstadt an sich besonders oder wie sind die Menschen in Siemensstadt besonders? Wo genau ist Siemensstadt geographisch und dem gegenüber gestellt, ist es als Gemeinschaft, also als soziale Struktur immer noch oder überhaupt vorhanden?
stadtstrukturen bringt dabei eines zum Vorschein: Aufflackernd lässt es erahnen, was für Assoziationen, klischeehafte Vorstellungen und rudimentäre Informationen die Berliner Bevölkerung von Siemensstadt hat oder vermeintlich haben könnte, da die Protagonisten – die selbst in Siemensstadt ansässig sind – unvorbereitet und spontan erzählen, was sie meinen, über ihr Leben mitteilen zu müssen oder zu können. Es wird als “gemütlich” und schön” beschrieben, aber doch wird sich mit den typischen Nachteilen einer urbanen Struktur auseinandergesetzt: Sorge um Arbeitsplätze, Anonymität und Kriminalität sind Themen, die sofort zur Sprache kommen. Somit ist stadtstrukturen eine klangliche Sozialstudie, die in 5 Minuten und 51 Sekunden bemerkenswerte Mitteilungen komprimiert.

TECHNISCHE UMSETZUNG
recording
Verschiedene Mikrofone wurden verwendet, um Klänge verschiedener Quellen und Charakteristika zu konservieren. Atmosphärische Audiosignale aus der Umwelt wurden mit dem Zoom H4 mit integriertem Stereomikrophon aufgenommen. Um Frequenz- und Lautstärkeunterschiede noch deutlicher einzufangen, kam das AT 825 Stereo zum Einsatz. Die Abbildung des Raumes wurde somit auf zwei distinguierbare Weisen vorgenommen.
Sprache von interviewten Passanten wurden bei spontan Begegnungen mit dem handlichen Zoom H4 festgehalten. Bei vorbereiteten Interviews kam das Nierenmikrophon ME64 mit Windschutzaufsatz zum Einsatz. Hierbei wurden die Umgebungsgeräusche gezielter abgebildet und die Umgebungsgeräusche dezimiert. Die Stimmaufnahme konnte voluminöser und klarer erfolgen, die gesammelten Audiospuren sind „sauberer“. Umgebungsgeräusche und Signalklänge wurden meist mit dem Richtmikrophon ME 67 eingefangen, um eine weitestgehend störfreie, fokussierte Aufnahmequalität der Klangquellen zu erreichen.
editing
Zur Bearbeitung des Klangmaterials wurden die Audioschnittprogramme Cubase 5 und Logic 8 herangezogen. Jeweils wurden die integrierten Equalizern, Filtern und Dynamikbearbeitungs-Tools wie zum Beispiel Kompressoren und Limiter verwendet. Das vorhandene Material wurde teilweise zu musikalischen , bzw. tonal spielbaren Elementen im Kontakt gemappt und vom Cubase-internen Stepdesigner und dem Reaktor-Ensemble „Spiral“  per MIDIangesteuert („getriggert“).
mixing
Stimmen wurden im Frequenzbereich mit einem Low-Cut-Filter eingeengt, um Griff- und Windgeräusche zu dezimieren. Beim Ausspiel („Bounce“) wurde ein Limiter eingesetzt, um dem Gesamt-Mix eine höhere Dynamik zu verleihen und eine Übersteuerung der Signale zu vermeiden.

INHALTLICHE UMSETZUNG
interviewführung
An verschiedenen Standpunkten in Siemensstadt wurden Passanten unterschiedlicher Altersgruppen, ethnischer Herkunft und Erscheinungsformen um ein kurzes Statement zum Thema Siemensstadt gebeten. Am Anfang eines Interviews stand stets die Frage, ob die Personen in dieser Gegend lebten. Dann, wie sie sich fühlten und was ihnen spontan einfiele, um Siemensstadt zu beschreiben. Die Antworten der befragten Personen waren thematisch sehr breit gestreut und die Interviewer lenkten den weiteren Verlauf des kurzen Gesprächs ungezielt. Damit konnte ein authentisches Abbild der spontanen Meinungsäußerungen der Menschen in Siemensstadt erzielt werden. Auch wenn es kein statistisch repräsentatives Abbild ist, da in etwa eine Anzahl von 20 Personen befragt wurden, konnte aus den Meinungen eine Komposition verschiedener Standpunkte hergestellt werden, die Siemensstadt beschreibt.